Anubias barteri var. nana

Zwergspeerblatt

 

Literatur:

DATZ 78, Seite 202

A. M. 81, Seite 287

A. M. 81, Seite 602

AqPl 4/83, Seite 3

AqPl 1/84, Seite 3

AqPl 2/84, Seite 20

 

"Speerblatt" ist der deutsche Name für die Gattung Anubias. In Wirklichkeit hat bei dem wissenschaftlichen Namen der altägyptische Gott des Schattens "Anubis" Pate gestanden, weil diese Gattung besonders im Schatten des Urwaldes gefunden wurde. Aber diese Namensgebung hatte schon zu Kaisers Zeiten nicht zu unserem Wesen gepasst, und so nahm man freudig die spitzigen Blätter einiger Arten zum Anlass, der ganzen Gattung einen heroischen deutschen Namen zu verpassen.

 

Die Anubias gehören zu den Aronstabgewächsen, deren einheimischer Vertreter, die Sumpfkalla, allen Naturfreunden wohlbekannt ist. Die Gattung Anubias wird in 8 Arten eingeteilt, von denen A. barteri neben der Nominatform noch 4 Varietäten aufzuweisen hat, zu denen auch "nana" (Zwerg) gehört. Von den afrikanischen Pflanzen, die in den lezten Jahren eingeführt und für die Aquarienhaltung als geeignet befunden wurden, ist A. barteri var. nana zweifellos der große Renner. Sie hat fast alle Pluspunkte aufzuweisen, die man von einem idealen Aquariumgewächs erwarten kann.

 

Die Zwergform "nana" ist in Kamerun zu Hause. Dort wächst sie hauptsächlich in Regenwaldbächen, meistens unter Wasser auf Steinen und Baumwurzeln, und zwar zusammen mit dem Farn Bolbitis heudelotii, der vielen kein Unbekannter ist. In der Fähigkeit, auf Steinen und Baumwurzeln wachsen zu können, liegt gleich einer ihrer besonderen Vorteile für uns: Wir siedeln diese Pflanzen auf kalkfreien Steinen oder auf Moorkienholz an und können sie dann erforderlichenfalls problemlos versetzen, beispielsweise, wenn wir ein neues Becken einrichten, eine Ausstellung vorbereiten oder einem Fischfreund etwas mitbringen wollen. Das Anwurzeln auf dem Substrat dauert natürlich seine Zeit, jedoch kann man die Pflanze dazu zunächst einmal mit Gummibändern oder Perlongarn festbinden. Vorzugsweise bohrt man durch flache Steine Löcher hindurch und nimmt dann zum Festbinden der Pflanzen einen oxydierten Bleidraht. Obwohl die Zwergform "nana" nur langsam wächst, sollte der Stein wegen des stetigen und flachen Wachstums auf Zuwachs bemessen sein. Die Zwergform geht mit ihren Blättern nicht höher als 10 cm, gemessen von der Oberseite des Steines oder Holzes, auf welchem sie aufsitzt. Die Wurzeln haften zuerst am Stein oder Holz an und senken dann ihre Spitzen in den Bodengrund hinein.

 

Alle Anubias-Arten sind mit wenig Licht zufrieden, verlangen aber sauberes Wasser. Sollten sie jedoch von Grün-, Pinsel- oder was auch immer für Algen befallen sein, so schatten wir sie mit Schwimmpflanzen ab und wechseln einmal öfter das Wasser. Leicht saures Wasser mit einem pH-Wert zwischen 6,0 und 6,5 sagt dem Zwergspeerblatt am meisten zu. Die Temperatur sollte um 25 °C liegen. Recht einfach ist die vegetative Vermehrung, für die man eine Triebspitze mit 4 bis 5 Blättern glatt abschneidet und diese auf einen neuen Stein oder ein neues Holz aufsetzt.

 

Die Nominatform Anubias barteri barteri pflege ich ebenfalls seit etwa 2 Jahren. Sie hat größere Blätter mit einer den Blattstiel umfassenden Gesamtlänge von etwa 20 cm und wächst aufwärts. Ansonsten ist sie wie die Zwergform "nana" auf Steinen oder Hölzern zu pflegen. Beide Formen blühen gelegentlich unter Wasser.

redaktionell überarbeitet

Quelltext: Karl Hamschmidt

 

Anlage zu den Vereinsmitteilungen der Aquarien- und Terrarienfreunde Oldenburg e.V. im September 1985

Nr. 4

Echinodorus osiris

Osiris Schwertpflanze

Rote Osiris

 

Literatur:

DATZ 76, Seite 200

A. M. 86, Seite 36

A. M. 86, Seite 274

A. M. 87, Seite 262

 

Eigentlich hatte ich es mir ganz einfach vorgestellt, über eine so bekannte Wasser-pflanze eine Story zu basteln, denn es ist ja schon manches über diese Pflanze bekannt geworden. Zudem haben neben unserem Vereinsfreund Eduard Oltmanns, bei dem ich diese Schwertpflanze ablichten durfte, auch andere Vereinsfreunde schon Erfahrungen mit ihr gesammelt.

 

Anfang der 60er Jahre ist sie über Rio de Janeiro eingeführt worden, doch der Entdecker hatte, wie das in dieser Zunft so üblich ist, Stillschweigen über ihren Fundort bewahrt, damit nicht Fremde den Lohn seiner Mühen würden ernten können. Dann starb er plötzlich. Zwar war inzwischen die Vermehrung über Ableger gelungen und das Geschäft lief, aber jetzt waren es die "-ologen", die sich zu Nachforschungen berufen fühlten. Sie durchkämmten monatelang systematisch die Hochebene von Paraná im Süden Brasiliens, und als sie schon aufgeben wollten, fanden sie das gute Stück, und zwar gleich ganz viele davon, in einem flachen, schnellfließenden und kühlen Fluss im Eizugsbereich des Rio Iguaçu. Jetzt kam das nächste Problem: Die Pflanze trieb immer nur Ausläufer, blühte aber nie. Schließlich brachte sie dann doch einmal Blüten und wurde daraufhin dann endlich bestimmt. Echinodorus osiris, - vielleicht war das ein bißchen voreilig gewesen, denn keimfähige Samen waren aus den Blüten nicht zu gewinnen. Demnach ist E. osiris vermutlich ein natürlich entstandenes Kreuzungsprodukt.

 

Ihre etwas zweifelhafte Vergangenheit kann eine so attraktive "Diva" wie diese Osiris keinesfalls  in ihrer Karriere aufhalten, zumal sie alle Vorraussetzungen für einen Spitzenplatz im Aquarium mit sich bringt. Die Art stellt keine Ansprüche an die Wasserwerte dH, KH, GH und pH, benötigt einen Wasserstand von ca. 50 cm, einen sandig bis kiesigen Bodengrund mit Lehmzugabe und eine gute Beleuchtung. Nur mit dem Standort ist sie etwas eigen. Die ganze Gruppe der breitblättrigen Echinodorus-Arten wünscht sie nicht in Ihrer Nähe. Am liebsten steht sie versetzt zur Mitte, frei von der Scheibe und von kleinem Grün umgeben, so das sie von einem Betrachter zu aller erst gesehen wird, alles andere vergessend.

 

Leider ist vor etwa zwei Jahren eine Konkurenz aufgetaucht, die sogenannte "Doppeltrote Osiris". Sie kommt aus der gleichen Gegend, hat noch rotere Blätter und bringt auch fruchtbare Samen. Darum konnte Sie auch gleich als Echinodorus barthii bestimmt werden. Gesehen hat sie von uns noch keiner, die  dieserzeit existierenden Bilder zeigen nur Jungpflanzen. Wenn das seine Richtigkeit hat, könnte die Doppeltrote Osiris ein Stammelternteil der hier beschriebenen Roten Osiris sein und dann wäre diese "weg vom Fenster". - Auch Aquarienpflanzen haben es nicht leicht. -

redaktionell überarbeitet

Quelltext: Karl Hamschmidt

 

Anlage zu den Vereinsmitteilungen der Aquarien- und Terrarienfreunde Oldenburg e.V. im August 1988

 

Nr. 39

Eleocharis vivipara

Lebendgebärende Nadelsimse -

Regenschirmpflanze

 

Literatur:

DATZ 1966 Seite 211

TI 1973 Nr. 22 Seite 24

TI 1984 Nr. 65 Seite 37

 

Um meinem "Paradebecken" eine ungewohnte Note zu verleihen, kam ich auf die Idee, die längstvergessene Regenschirm-Nadelsimse wieder zu Ehren zu bringen. Seit Jahren war sie weg vom Fenster , obwohl sie immer als billig, anspruchslos, dekorativ und robust gegolten hat. Auch in den Zeitschriften ist es nur noch Paffrath, der Wasserpflanzen-spezialist, der nicht müde wird, wieder und wieder auf diese verkannte Perle hinzuweisen. Meine eigenen früheren Erfahrungen waren negativ, weil ich a) zu flache Behälter, b) zu wenig Geduld hatte. Nach dem neuen Entschluß dauerte es länger als ein Jahr, bis ich endlich die Pflanze erhielt - Helmut B. und Werner R. haben sie im Juni d.J. aus Belgien holen müssen, weil bei uns nur Marktrenner angeoten werden.

 

Eleocharis vivipara stammt aus dem Südosten der USA; in den Staaten Georgia, Carolina und Florida besiedelt sie flache Gewässer und Moore. An den Spitzen ihrer langen "Blätter" bilden sich Ableger mit etwa 4 - 6 neuen Blättern, die wie Spreizen eines Regenschirmes auseinanderstreben und an deren Spitzen wieder Ableger wachsen, so daß bei günstigen Verhältnissen grei Etagen von Adventivsprossen übereinander stehen können. Die Blätter sind nur fadendünn aber im Wasser recht standfest, elastisch und leicht gebogen; eine solche Regenschirmkaskade sieht fantastisch aus - wenn sie gelingt. Paffrath gibt dazu den Tip, die Pflanze solitär einzusetzen, mit weitem Umfeld und bei mindestens 40 cm Wasserstand, möglichst mehr, Bodengrund nährstoffarm und locker, 0 - 2 mm, KH 2, pH 6,8, 25 °C, alles fast 08/15-Werte. Nur die Beleuchtung soll mit 50 - 70 W pro 100 l etwas über der Norm liegen.

 

Um möglichst viele der mitgebrachten Pflanzen unterzubringen - Helmut drückte mir ein Bündel, dick wie ein Kohlstrunk, in die Hand - habe ich die einzelnen Exemplare leider viel zu dicht gepflanzt. Sie wachsen prächtig heran, zweigen "Kinder" ab, schießen aber wegen der Enge zu sehr nach oben. Obwohl auch das nicht schlecht aussieht, ist es doch nicht die gewünschte Wirkung; wir werden uns dazu noch etwas einfallen lassen müssen. Insgesamt sehen meine Pflanzen aber besser aus, als es das Bild zeigt. Wegen des raumgreifenden Wuchses ist die Simse für Fotografen eine harte Nuß. Paffrath hat es besser gekonnt: In der o.a. TI Nr. 22, S.24!

 

Der kleine Regenbogenfisch Iriatherina werneri, ebenfalls von H.B., erweist sich im Aquarium als Traumpartner für die Regenschirmsimse. Einmalig die Schau, wie die Gruppe um die Zweige segelt mit gespannten Flossen und leuchtenden Augen.

redaktionell überarbeitet

Quelltext: Karl Hamschmidt

 

Anlage zu den Vereinsmitteilungen der Aquarien- und Terrarienfreunde Oldenburg e.V. im November 1989

Nr. 54

Hydrocotyle spec.

Wassernabel

 

Literatur:

DATZ 81, Seite 308

DATZ 86, Seite 332

AM 81, Seite 747

TI Nr. 59, S. 29

 

Zur letzten Aquarienausstellung im Naturkundemuseum Oldenburg hatte unser Verein mehrere Becken mit dem Weißköpfigen (brasilianischen) Wassernabel (Hydrocotyle leucocephala) "garniert" und damit den Geschmack des Publikums durchaus getroffen, wie die rege Nachfrage bewies. Die Leute erkannten sofort die Vorteile dieser Pflanze. Diese sind ihr dekorativer Wuchs mit einer ungewöhnlichen Blattform, ihre einfache Handhabung bei der Einrichtung und bei der Pflege sowie ihre vielseitigen Einsatz-möglichkeiten. Natürlich gibt es auch Nachteile. Sie wird mit der Zeit ein bisschen blass, bricht manchmal ab, treibt dann an der Wasseroberfläche und wird trotz ihrer Bitterstoffe  gelegentlich von Cichliden und Barben angefressen. Aber sie kann ohne Bodengrund leben, wenn man sie unten mit Blei oder Stein beschwert. Auch bei mäßigem Licht und ohne CO2-Düngung oder andere kostenträchtige Zusätze wächst sie schnell. So ist sie für den Aquarianer, der öfter einmal seine Becken verwandeln will oder muss, eine fast unentbehrliche Hilfe. Wer hingegen ein Schaubecken für den Dauereinsatz einrichtet, der wird des Weißköpfigen Wassernabels mit seinen großflächigen Blättern nach einiger Zeit überdrüssig, weil "edlere" Pflanzen auch genügend viel Licht bekommen sollen.

 

Vor einiger Zeit sahen wir in einem Fachgeschäft einige Containerpflanzen in einem Aquarium stehen,  die wie eine Miniaturausgabe des uns bekannten Wassernabels aussahen. Beim vorsichtigen Auspacken stellte sich heraus, dass es drei oder vier kleine Ranken oder Sprosse waren, mit jeweils etwa sechs runden Blättern von 5 bis 7 Millimeter Durchmesser. Sie sahen ganz niedlich aus, und in der Hoffnung auf das bei bekanntem Wassernabel gewohnte rasante Wuchstempo legte ich sie oben auf die Javamoospolster, mitten unter den HQL-Strahler. Es dauerte aber Wochen, bis die Wiederbelebungsversuche endlich Wirkung zeigten, einige der Sprosse weiterwuchsen. Sie bildeten neue, nur etwas größere Blätter aus, deren Stängel jedoch von Blatt zu Blatt länger wurden. Für diese Sprosse ist die Wasseroberfläche ganz klar das erklärte Ziel gewesen. Immerhin sieht jetzt das frische Grün der runden Blattteller auf dem dunklen Moos sehr gut aus - die Mühe hat sich also schon gelohnt!

 

Wenn ich nur wüsste, welche Art Wassernabel ich da erwischt habe. Wegen der kleinen Blätter dachte ich zunächst an die aus Westaustalien stammende Art H. lemnoides, von der mir aber nur ein Bild der Landform vorliegt, und dieses zeigt tief eingekerbte Blätter. Die amerikanische Art H. verticillata hat Blätter bis 5 cm Durchmesser. Hier bei uns in Norddeutschland soll die europäische Art H. vulgaris zu Hause sein. Ich kann mich nicht erinnern, sie je gesehen zu haben. Sie ist im Warmwasseraquarium nur bedingt zu halten, jedoch gehen da die Meinungen der Experten auch auseinander. Es wäre schon gut, wenn uns der Handel eine wüchsige und kleinblättrige Art wie diese anbieten könnnte. Der entscheidende Vorteil dieser mir unbekannten Art ist eben der, dass sie auch ohne einen Bodengrund wächst und von daher überall als eine Art Joker eingesetzt werden kann. Auch in einem Becken mit fest vergebenen Standorten kann ein solcher Überraschungsgast deutlich beleben.

 

redaktionell überarbeitet

Quelltext: Karl Hamschmidt

 

Anlage zu den Vereinsmitteilungen der Aquarien- und Terrarienfreunde Oldenburg  e.V.  im August 1990

Nr. 63

Hydroryza aristata

Granniger Wasserreis

 

Literatur:

Dennerle Natur-Aquaristik

 

Dieses Gewächs kommt uns auf den ersten Blick wie eine einheimische Wasserpflanze vor, die man schon x-mal gesehen zu haben meint. Als Ihre Heimat ist in Dennerles Katalog leider sehr unpräzise nur Asien angegeben. Uns war diese Pflanze unbekannt, bis unser Vereinsfreund Helmut Böschen sie vor etwa 2 Jahren angeschleppt und auf Anhieb Erfolg mit ihr hatte. Weil das "Zeug" wie Unkraut wächst und selbst große Becken bald ausgelichtet werden müssen, wurde die Pflanze von Helmut Böschen an viele Interessierte verteilt. Versuchsweise habe auch ich diese Pflanze vor einiger Zeit bekommen und damit mein 60x60x60-Würfelbecken bestückt. Ich ließ nur einen großen Kongo Wasserfarn (Bolbitei heudelotii) im Hintergrund des Beckens stehen, um den Filter zu tarnen. Das Einpflanzen dieser geht dann recht zügig vonstatten. Bei nur einem Zentimeter Bodengrund legte ich jedem Steckling einen seiner Größe und seinem Auftrieb angepassten Stein auf den "Fuß", aber so, dass möglichst einer der an den Knotenstellen sichtbaren Wasserwurzel-Büschel auf dem Sand zuliegen kommt. Es können auch 2 bis 3 Stengel zusammen eingepflanzt werden, ohne  dabei einen nennenswerten Schaden zu nehmen. Wichtig ist lediglich eine haltbare Verankerung am Bodengrund!

 

Am nächsten morgen schon zeigt sich das Becken in neuer Pracht. Die bisherigen Schwimmblätter sind mit winzigen Lüftbläschen übersät und glänzen deshalb, als wären sie versilbert. Dieser Anblick dauert nur einen Tag, dann ist die Luft raus. Die Pflanzen aber streben kerzengerade nach oben und wachsen in einem Tempo von bis zu 10 cm pro Woche, so wie sonst kaum eine andere Art. Bald liegen erste Schwimmblätter auf der Wasseroberfläche und verdichten sich dort von Tag zu Tag. Nach 2 bis 3 Wochen muß der Bestand dringend ausgelichtet werden. Dazu nimmt man vorzugsweise zunächst einmal alle Triebe heraus, kürzt sie an ihrer Basis stark ein und setzt die gekürzten Triebe wieder ein. Damit sollten die Triebspitzen dann bestenfalls wieder etwa 10 bis 20 cm unter den Wasserspiegel gelangt sein. Auf Dauer läßt sich diese "Triebspitzen"-Kultur aber nicht durchhalten. Schon bald müssen die Hunger leidenden Triebe gegen kräftigere Ableger aus der Kultur von Vereinsfreund Helmut Böschen ausgetauscht werden. Er bietet diesen Pflanzen einen tiefen und satten Kiesgrund an und kürzt die Pflanzen nur an ihren überlangen Triebspitzen ein. So hat er laufend schöne Ablegertriebe abzugeben. Seine "Stöcke treiben alsbald neue Spitzen.

 

Hydroryza bietet dem "altgedienten" Aquarianer neue Variationsmöglichkeiten bei der Gestaltung seiner Becken und regt ihn zu Experimenten an. Seinen Fischen ist sie vielleicht soetwas wie ein Heimaturlaub, denn Wasserpflanzen mit dieser Wuchsform sind überall auf der Erde zuhause. Nur in unseren Aquarien sind sie noch eine Rarität.

redaktionell überarbeitet

Quelltext: Karl Hamschmidt

 

Anlage zu den Vereinsmitteilungen der Aquarien- und Terrarienfreunde Oldenburg  e.V.  im November 1993

Nr. 99

Nymphaea lotus

Roter Tigerlotus

 

Literatur:

DATZ 84, Seite 276

DATZ 86, Seite 428

AM 84, Seite 86

AM 86, Seite 491

TI Nr. 60, Seite 25

 

Im Jahre 1967 und 1969 sollen der Rote und der Grüne Tigerlotus erstmals im Handel aufgetaucht sein. Hier bei uns dauerte es etwas länger, aber seit Mitte der 70er Jahre sind diese "Super"-Wasserpflanzen auch in unseren Aquarien allenthalben anzutreffen.

 

Schon zu Zeiten der alten ägyptischen und vorderasiatischen Kulturen waren die Menschen von der Schönheit der Seerosen angetan, haben sie ihren Göttern geweiht und in Poesie und Mythen besungen. Dabei wurde natürlich in erster Linie ihrer Blüten gehuldigt. An die hervorragende Eignung dieser Seerosen für Aquarien haben Cheops, Sinuhe und Kleopatra wohl weniger gedacht.

 

Der Tigerlotus stammt aus Afrika und Südostasien. Um den wissenschaftlichen Artnamen herrschte lange Zeit Verwirrung. Möglicherweise sind es auch mehrere Arten, die von uns als Tigerlotus bezeichnet werden, denn das gemeinsam "Tigerische"  sind schließlich nur die dunklen Flecken auf ihren Blättern. Nicht zu verwechseln ist diese Art jedoch mit den beiden Arten der Gattung "Nelumbo", dem echten Lotus, denn dieser ist auf Schwimmblätter angewiesen. Aber genau hier liegt der große Vorteil der hier beschriebenen Tigerlotus. Egal ob die Blätter von roter, grüner oder orange-bräunlicher Färbung sind, bleiben sie bei ausreichender Beleuchtung alle unter Wasser, drängen also nicht sogleich an die Wasseroberfläche.

 

Damit sind wir bei den Pflegehinweisen angelangt. Zunächst einmal benötigen diese Seerosen ausreichend Platz. Rundum 25 cm sollten es schon sein. Dann wollen diese Pflanzen in einem mindestens 8 cm starken, mit Ton und Eisen angereicherten, aber dennoch lockeren Bodengrund ordentlich Nährstoffe an ihre "Füße" bekommen. Auch benötigen diese Pflanzen viel Licht, wobei jedoch der Rote Tigerlotus noch mehr Licht benötigt, als der Grüne Tigerlotus. Falls jedoch die Lichtintensität aus technischen Gründen nicht erhöht werden kann, lässt sich aber über die Beleuchtungsdauer eventuell ein Ausgeich schaffen. Beim Erwerb der Pflanzen ist auf feste und gesunde Knollen zu achten, deren Austriebe durchaus noch klein sein dürfen. Sofern keine Knollen, sondern lediglich Wurzelstöcke angeboten werden, hat man es unter Umständen auch mit einer anderen Seerosenart zu tun.

 

Sollte der Tigerlotus versuchen, Schwimmblätter auszubilden, so sollten diese unverzüglich abgekniffen werden, es sei denn, man hat das Becken oben gerne offen und würde gerne einmal die Blüte des Tigerlotus sehen. Das Bild dieser schönen Pflanze ist bei unserem Vereinsfreund Eduard Oltmanns entstanden. Dort hat sie sogar schon einmal geblüht. Allerdings sind die Chancen auf eine solche Blüte etwa genau so hoch wie die Gefahr, dass sich an der Zimmerdecke Stockflecken bilden.

 

redaktionell überarbeitet

Quelltext: Karl Hamschmidt

 

Anlage zu den Vereinsmitteilungen der Aquarien- und Terrarienfreunde Oldenburg  e.V.  im Oktober 1987

Nr. 29